Der Dystopie-Schreiber

1974 wurde ich geboren. In Berlin-Gropiusstadt.
Das war zwar kein Ghetto, aber schön waren die vielen Hochhäuser auch nicht.
Schon in meiner Kindheit mochte ich es, kurze Geschichten zu schreiben. Aber dann schlägt der Ernst des Lebens zu: Oberschule, Abitur, Studium der Rechtswissenschaft (inlusive 1.Staatsexamen) und schließlich die Wandlung in den Pastorenberuf hinein.

Krisen

Krisen kannte ich bis dato natürlich:
Wenn man ein Studium gewählt hat, das man eigentlich nicht mag; wenn man vor dem Referendariat die Chance hat, in einem Bundesministerium unterzukommen, doch diese Arbeitsstelle zu Gunsten des 2.Examens aufgibt, um eben dieses dann zu versemmeln, sich anschließend für “alles” bewirbt, aber letztlich nur Absagen kassiert…
bis die Bahn für den heimlichen Wunsch geebnet war, eine theologische Ausbildung hinter her zu schieben.

Pastor

So kam ich in den Pastorendienst hinein.
Und ich bin dankbar dafür, weil dieser Beruf sehr viel von dem abdeckt, was in mir steckt.
Allerdings kam es zu diesen Entdeckungen:
1. Es gibt kein (berufliches) Paradies auf Erden.
Wie jeder Beruf, so ist auch dieser nicht perfekt.
In mir gibt es einen Hang zur Albernheit – doch das macht sich in den Predigten nicht immer gut. Mir sind Förmlichkeiten nicht so wichtig, die gehören für andere aber unbedingt dazu. Und auch ansonsten ist dieser Beruf eben Arbeit wie manch andere auch: Wie motiviert man Ehrenamtliche? Wie begleitet man Konflikte? Wie und was kommuniziert man? Wie soll die Veranstaltung organisiert werden? Was soll gepredigt werden? Wer braucht Seelsorge? Wie kann man der Nachbarschaft helfen? Manchmal ist das erfüllend, manchmal stressig.
2. Kritisch wird es auch hier.
Gerade hier.
Denn in den “Herrn Pastor” wird alles Mögliche hineinprojiziert: manche suchen den Freund, andere den Seelsorger; wieder andere den Missionar und so mancher will den “starken Mann”. Ständig enttäuscht man Erwartungen, ohne wirklich sachliche Fehler gemacht zu haben.
So hatte ich mindestens einmal im Jahr meine “fette Krise”:
Zigmal stand ich davor, aufzuhören.
Irgendeine andere Arbeit machen. Bloß nicht als Pastor dienen!
Und vor einigen Jahren hatte ich eine solch heftige Kritik von einem älteren Ehepaar einstecken müssen, dass ich mich sogar krankschreiben lassen musste.

Neues

Das war einer meiner unangenehmsten Tiefpunkte.
Manchmal ist es im Leben aber so:
In solchen Zeiten wird Neues geboren.
Ich entdeckte das einsame Wandern in einsamen Gegenden, wie z.B. in Norwegen und Schweden, und intensivierte das Schreiben von Geschichten neu.

Als Pastor arbeite noch immer.
Mindestens einmal im Jahr gehe ich für mehrere Tage wandern. Am liebsten nur mit Zelt, Schlafsack und Kocher.
Und ich schreibe.
Immer dann, wenn sich etwas Zeit und Ruhe finden lassen.
Denn das Wandern und Schreiben sind ein Teil von mir.

So ist es u.a. zur dystopischen “Tribes“-Reihe gekommen.
Wer diese Bücher liest, wird unschwer vieles davon wieder erkennen:
Schweden, Wandern, Gott, Überleben.

 

Und manch Politisches und Gesellschaftliches.
Denn es gibt einiges, was mir Sorge bereitet:
die zunehmenden Überwachungsmöglichkeiten, denen wir uns kaum entziehen können;
die zunehmenden sozialen Spannungen in Europa und Deutschland;
die zum Teil unkontrollierte Macht globaler Firmen-Imperien.

Dystopie

Vieles davon behandle ich in der Dystopie „Tribes“.
Und wenn ich die Nachrichten verfolge, habe ich leider den Eindruck, dass meine Dystopie tatsächlich Realität werden könnte.


Ich wünsche viel Spaß beim Lesen!