Survival – die nächsten Basics!

In einer Survival-Situation gibt es “normalerweise” (in Anführungszeichen, denn: welche Überlebenssituation ist schon normal?) elementare Aspekte, die beachtet werden müssen:

– Finde ein sicheres Lager!
– Kümmere dich um Trinkwasser!
– Stelle ggf. ein Lagerfeuer her!
– Versorge Wunden/Krankheiten!
– Finde Nahrung!
– Orientiere dich!

Diese Auflistung ist bewusst in loser Reihenfolge gehalten, denn je nach Situation kann es unterschiedliche Erfordernisse geben (wer noch drei Liter Trinkwasser dabei hat, kann sich zuerst um den Lagerbau kümmern; wer einen Regensturm herannahen sieht, sollte zuerst eine Überdachung bauen; wer in heißen Gefilden unterwegs ist, braucht u.U. kein Lagerfeuer usw.).

Deutlich und im Grunde logisch ist das:
Es geht um die absoluten Basics, erst einmal das eigene Überleben zu sichern.
D.h.:
a) der Körper muss geschützt werden;
b) der Körper muss in eine Ausgangslage gebracht werden, von der aus weitere Schritte getan werden können.

Das klingt abstrakt, wird aber schnell verständlich, wenn man sich solche Survival-Situationen vorstellt:

Survival-Beispiel “Gekentert”

Es ist April. Du bist auf Kanu-Tour in Schweden. Das Thermometer zeigt neun Grad.

Das Kanu kippt auf dem See, nachdem du dich ungeschickt bewegt hast. Die Vorräte landen im Wasser. Du auch. Sofort wirst du pitsche-patsche-nass.
Was jetzt?
Die Wassertemperatur dürfte zu der Zeit weniger als neun Grad betragen. Es ist also wirklich kalt. Es besteht die Gefahr des Auskühlens (Hypothermie). Im schlimmsten Fall führt das zum Tod. Deshalb muss das oberste Ziel das sein: Raus aus dem Gefahrenbereich! Wenn es gelingt, sollte natürlich das Kanu samt Paddel wieder ergattert werden. Wenn in der Nähe noch das Proviant treibt, kann man es natürlich einsammeln. Das Wichtigste ist aber das – im Zweifel zu Ungunsten des Kanus: ab an’s Land, um sich zu trocknen! Die weitere Abkühlung muss vermieden werden!

Schon hier merkt man, wie verzwickt eine solche Überlebenssituation sein kann:
Was nutzt es, an Land zu sein, aber keine Decke zum Trocknen zu haben!
Keine Wechselwäsche!
Keine Materialien, um Feuer zu machen!
D.h.: die Vorräte, die im Wasser schwimmen, könnten existentiell sein!
Aber möglicherweise kann man sie nur mit dem Kanu transportieren.
Hingegen kann jede Minute zählen: je länger du im kalten Wasser bist, desto eher wirst du dir eine schwere Erkrankung zuziehen!

All das macht es schwer, wirklich für jeden Fall eine Lösung zu bieten: Wie gut kannst du schwimmen? Wie weit ist das Kanu entfernt? Geht das Proviant gerade unter oder liegt es in einer schwimmfähigen Tonne? Regnet es und bist du im Nebel oder scheint die Sonne? Wie weit ist das rettende Ufer entfernt?

Im Idealfall schaffst du es also zum Kanu, kannst es wenden, rettest deine Materialien, paddelst an Land, ziehst dir trockene Kleidung an, hüllst dich in eine Rettungsdecke, ggf. in den Schlafsack, entzündest ein wärmendes Feuer und baust dein Zelt auf.
Im schlechtesten Fall kannst du nur dich selbst an Land retten und stehst dort tropfnass, während Sturm und Regen über dich hinwegziehen. Und all dein Zeugs wird vom Wind weggetrieben.

Für diese schlimmsten Survival-Momente empfehlen Experten deshalb das: Trage immer eine Notfall-Ausrüstung am Körper!
Zum Beispiel eine wasserdichte Packung am Gürtel mit wasserdichten Streichhölzern, einem Messer, Kompass, Bindfaden usw. Zur Not hast du immer noch “ein wenig”, um wie McGiver dein Leben zu retten.
Sobald du an Land bist, hast du den ersten Schritt getan, um deinen Körper zu retten.
Doch wie geschrieben:
Es kann sein, dass du all dein Zeugs verloren hast und nun bibbernd am Ufer stehst.
Was jetzt?

Du musst deinen Körper sofort wärmen.
Ich weiß, wie unangenehm es sein kann, bei kalten Temperaturen draußen zu schlafen. Einmal war ich in Norwegen wandern, hatte mich aber bei den Planungen verschätzt und hatte nur den Sommerschlafsack dabei. Ein Sommerschlafsack kann selbst im August in Norwegen zu wenig sein! Der Wind blies in das Zelt, der Boden fühlte sich frostig an, ich war erschöpft vom Wandern und konnte aufgrund der Kälte kaum schlafen. Ich packte die Rettungsdecke aus und weitere Klamotten, um mich zusätzlich zu wärmen, aber es half nur notdürftig. Ich nickte ein, wurde wieder wach. Einfach, weil es so a…kalt war. Mehrmals dachte ich in dieser “Nacht des Eis-Windes”: ‘So könnte sich ein Kältetod anfühlen!’
Gewiss: bissel dramatisch, aber manchmal gehen die Emotionen durch und es ist schwer, eine Survival-Einstellung zu behalten.

Zugleich musst du aufpassen, nicht zu viele Kalorien zu verbrennen. Du könntest sie noch brauchen.
Solltest du an einer reinen Felsküste gelandet sein, der Sturm über dich hinwegfegen und die nächsten drei Tage nur Regen kommen, dann kann man nur sagen: Herzliches Beileid! Ein Schnupfen dürfte das kleinste Problem sein. Es bleibt dir nur, landeinwärts zu wandern, bis du auf eine schützende Hütte oder wenigstens ein Waldgebiet stößt. Ansonsten droht das Sterben.

Solltest du hingegen Bäume links und rechts von dir haben, dann ist das ja schon was! Du kannst Äste sammeln und sie behelfsmäßig zu einem kleinen Dach formen. Jeder Regentropfen und jeder Windstoß, die abgehalten werden, sind ein Pluspunkt für dich! Je trockener und je windgeschützter, desto besser!

Dystopie

Tannenzweige, altes Laub und Moos können dir sowohl als Schlafunterlage als auch als Wärmematerial dienen. Moos saugt Wasser auf. Packe Moos unter deine Kleidung! Nachdem du deine Kleidung ausgewrungen hast!

Sobald dein Wind- und Regenschutz steht, wäre Feuer das nächste.
Schonmal mit einem Feuerbohrer Feuer gemacht?

Total schwer (zumal es alles einfacher geht, wenn du dein Messer bei dir hast und trockenen Zunder findest)!
Aber möglicherweise ist es deine einige Chance, ohne Feuerstein, Feuerzeug und Streichhölzer ein Feuer zu bekommen.
Dieses Feuer könnte überlebenswichtig für dich sein: es wärmt und deine Kleidung kann trocknen.
Aber hast du die Reihenfolge bemerkt?
Zuerst der Wind- und Regenschutz – und dann erst das Lagerfeuer!
Ist logisch, gell?
Denn, was nutzt ein Feuer, das vom Wind sofort wieder gelöscht wird?

Nach der Rettung deines Körpers kommt die zweite Phase:
Du musst in eine Ausgangslage kommen, von der aus du weitere Schritte tun kannst!

Die nächsten Schritte wären in dem Beispiel diese:
– Orientierung: Wo ungefähr bist du? Wo könnte der nächste menschliche Ort sein? Sind Kanu und Proviant noch zu sehen? Könnten sie vielleicht auch am nächsten Tag noch geholt werden, nachdem du dich erholt hast? Wie ist das Wetter? Bleit es so? Wird es besser oder schlechter? Wo sind mögliche Nahrungsquellen?
– Wasser: ist theoretisch kein Problem, denn du bist an einem schwedischen See. Üblicherweise kannst du in Schweden direkt aus diesem See trinken, ohne dir ein Übel einzufangen. Problematischer ist der Transport des Wassers: Womit trägst du das Wasser, wenn du weiter wandern musst? Gibt es Naturmaterialien in der Nähe, mit denen du Flüssigkeiten transportieren kannst? Das könnte echt schwer sein! Im blödsten Fall musst du von Tau und Regenwasser leben oder einfach am Seeufer entlang laufen, so dass die Wasserquelle immer bei dir ist.
– Essen: Im See sind garantiert Fische. Aber wie fangen? Und wie zubereiten? Dafür haben viele Survivalbücher ihre eigenen Kapitel. Gibt es essbare Pflanzen in der Nähe? Bedenke: dein Körper hält es aus, bis zu drei Wochen ohne Essen auszukommen. Nicht toll, aber möglich.

Ich habe dieses Survival-Szenario einfach mal gedanklich durchgespielt, ohne es selbst erlebt zu haben. Gott sei Dank!
Du kannst dir eigene Beispiele überlegen, die auf deiner Tour passieren könnten. Denke an die Survival-Basics – auch an die Wichtigkeit der Survival-Einstellung.
Denke daran, dass es keine starre Reihenfolge gibt (zuerst Lagerbau oder zuerst Feuermachen? Zuerst Wasser finden oder zuerst die Wunde versorgen?), sondern die Einzelsituation entscheidet.
Aber das gilt immer:
a) Der Körper muss geschützt werden;
b) Der Körper muss in eine Ausgangslage gebracht werden, von der aus weitere Schritte getan werden können.

Je öfter du nüchtern über solche Situationen und Rettungsmöglichkeiten nachdenkst, desto leichter wird es dir fallen, im schlimmsten Fall wirklich das Richtige zu tun, weil dein Survival-Denken trainiert ist.

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