Überwachung in der Kleidung: Die Vitalwerte des Menschen sollen gemessen werden

In den USA wurde an der Cornell Universität ein Verfahren entwickelt, mit dem Vitalwerte des Menschen über Sensoren in der Kleidung gemessen werden. Natürlich geschieht das durch die schon berühmt-berüchtigten RFID-Chips, die dann auch die Wäsche der Kleidung überleben müssen (Spiegel berichtet hier). So könne die Atemfrequenz gemessen werden, die Herzbewegung könne überprüft werden und der Blutdruck könne abgeschätzt werden.

Datenschützer sehen das sehr kritisch, weshalb eine ausreichende Einverständniserklärung seitens des Patienten nötig werde.

Allerdings wird wohl noch an der Zuverlässigkeit der Datenmessung und -übertragung gearbeitet, so dass eine medizinische Anwendung nicht so schnell zu erwarten ist.

Aber der Trend ist klar:
Chips am (oder im) Körper dienen der Gesundheit und der Sicherheit.
Der Preis ist die totale Überwachung.

Man denke nur daran, wie rasant es sich entwickelt hat, das Internet zu benutzen. Noch kommt man hier und da auch ohne Internet zurecht (ich kenne einige ältere Semester, die ihr persönliches Leben ohne Internet verbringen). Doch gesamt-gesellschaftlich ist das Internet nicht mehr wegzudenken. Industrien, Behörden und Private sind mit dem Internet vernetzt und davon abhängig. Gesellschaftliche Teilhabe ohne Internet ist kaum noch denkbar: Anträge bei Behörden können zunehmend online gestellt werden; Bestellungen werden über das Internet abgewickelt usw.

Daher scheint es nur eine Frage der Zeit zu sein, bis sich die RFID-Chips noch mehr durchsetzen. Zu verlockend sind die möglichen Vorteile:
– Man kann eigene Familienmitglieder orten (Wo ist der demenzkranke Opa? Wo ist das Schulkind auf dem Nachhause-Weg?).
– Man kann Haustiere orten (die Katze, die abgehauen ist).
– Man kann den eigenen Besitz orten (Fahrrad oder Auto, die gestohlen worden sind; der Schlüssel, der verlegt worden ist usw.).

Und wenn mir der Chip meldet, dass ich kurz vor dem Herzinfarkt stehe, dann spure ich lieber, melde mich beim Notarzt und kann rechtzeitig behandelt werden.

Der Preis der Total-Überwachung ist zunächst gering. Solange man nichts Böses tut, muss man nichts befürchten, oder?

Doch wenn irgendwann die Krankenkassen die Chipdaten auswerten wollen, um die Tarifgruppe der Beiträge „fairer“ zu bestimmen;
wenn der Arbeitgeber wissen will, wo sich die Angestellten befinden;
wenn Firmen noch passgenauer ihre Werbung schalten, je nachdem, welche Daten die Chips in sich tragen;
und wenn wir eines Tages kaum noch einen Rechtsstaat haben sollten;
dann könnte es sein, dass viele diese technische Entwicklung verdammen.

In meinen Dystopie-Romanen „Tribes“ spielt diese Technik auch eine Rolle: die Körperwerte von Angestellten werden überprüft, um daraus abzuleiten, wie es einer Person mental geht.

In der Menschheitsgeschichte ist es so:
Was möglich ist, wird getan.
Diese Technik lässt sich nicht aufhalten.
Und sie wird zum Guten wie zum Schlechten dienen.

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